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IoT und Big Data im Fußball

Die Weltmeisterschaft in Russland rückt immer näher und ein spannender Fußball-Sommer steht vor der Tür.

Nach Angaben der Veranstalter werden sich im Juni und Juli mehr als 1,5 Millionen Fans und Touristen aus der ganzen Welt zu den Spielen in den zwölf großen Stadien in Russland einfinden. Zusätzlich werden weltweit Milliarden von Zuschauern das Turnier auf Fanmeilen, in Kneipen und Bars oder vor dem Fernseher zu Hause verfolgen und dabei zusehen, wer sich den Weltmeistertitel holt.

Mit der Torlinientechnologie, die erst zum zweiten Mal bei einer Weltmeisterschaft zum Einsatz kommt, und dem Videoschiedsrichter (VAR, Video Assistant Referee), der erstmalig bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt wird, wird im Fußball mehr Technologie eingesetzt als jemals zuvor in seiner langen Geschichte.

Allerdings werden einige der größten technologischen Fortschritte im Sport erst durch das Internet der Dinge (IoT) möglich, das den Fußball für Spieler, Trainer, Veranstalter und Fans revolutioniert. Aber wie genau funktioniert das?

Datenerfassung und Datenanalyse

In den 50er-Jahren bereitete Charles Reep, Soldat und Buchhalter, den Weg für die Datenerfassung im Sport. Er entwickelte ein System zum Erfassen von Statistiken zu den Bewegungsabläufen von Fußballspielern mit Zettel und Stift. Seiner Methode wurden viele wertvolle Erkenntnisse zugeschrieben, allerdings benötigte er allein drei Monate, um die Daten des 90-minütigen-Finales der Weltmeisterschaft im Jahr 1958 zu analysieren.

Die Erfassung und Analyse von Daten im Fußball ist also nichts Neues, doch die Methoden und die Geschwindigkeit, mit der sie gesammelt und verarbeitet werden, hat sich in den letzten Jahren beträchtlich verändert. Die Einführung der Videoanalyse in den 90er-Jahren ermöglichte eine deutlich umfassendere Datensammlung. Mit der Möglichkeit, Informationen durch den Einsatz des IoT aus anderen Quellen zu beziehen, wurde die Live-Analyse jetzt allerdings auf ein ganz neues Niveau gehoben.

Die Daten werden von Sensoren erfasst, die z. B. in Schuhen, Schienbeinschonern, Leibchen mit Pulsmessgeräten, auf dem Spielfeld und auf dem Fußball selbst zu finden sind. Diese Sensoren verbinden sich mit einem Mobiltelefonsender mit niedrigem Energieverbrauch oder dem WLAN-Netzwerk des Stadions, sodass die Teams die Datenfeeds überwachen können. Die weltweit größten Business Intelligence Firmen, wie z. B. Cisco und SAP, haben bei der Erfassung und Darstellung dieser Daten wichtige Rollen eingenommen. Seit 2013 führen SAP und der amtierende Weltmeister Deutschland eine Co-Innovationspartnerschaft, bei der das deutsche Team Zugang zu exklusiven Prototyp-Technologien hat, um Informationen zu der eigenen Spielweise und zu der seiner Gegner analysieren zu können.

Diese technologischen Neuerungen ermöglichen es Fußballtrainern heutzutage, Echtzeitentwicklungen auf dem Spielfeld zu beobachten und auf diese zu reagieren sowie taktische Entscheidungen anhand von Echtzeitdaten zu treffen. Damit ist die Technologie weit von den vor zehn Jahren eingesetzten Methoden entfernt, bei denen es üblich war, dass ein ganzes Team von Videoanalysten tagelang die Daten von mehrstündigen Spielaufnahmen untersuchen mussten, um Trainern und Spielern ein Feedback geben zu können. Heute kann jeder, der Zugang zu der Software hat, in Echtzeit tiefe Einblicke in die einzelnen Spielerleistungen erhalten und so die Trainingszeiten optimieren, um an spezifischen Schwachstellen zu arbeiten.

Mit dem IoT können die Daten von diesen Sensoren auch auf andere Netzwerke übertragen werden, sodass diese auch von Fans und Übertragungssendern genutzt werden können. Das bedeutet letztendlich, dass ein Fan mit WLAN-Zugriff oder 4G genau das sehen kann, was auch der Trainer am Spielfeldrand sieht. So erhält er Einblicke in die Leistung des gesamten Teams und der einzelnen Spieler. Der größte Traum eines jeden Hobbystrategen geht damit in Erfüllung!

Doch nicht nur auf die Spielerleistung hat diese Technologie positive Auswirkungen. Sensoren in Wearables können sogar die Herzfrequenzmuster der Spieler überwachen und sofort den Mannschaftsarzt verständigen, wenn ernstzunehmende Unregelmäßigkeiten erkannt werden. Diese Arten von IoT-Technologien könnten dazu beitragen, tragische Ereignisse im Fußballsport zu vermeiden, so wie den Herzinfarkt von Fabrice Muamba währe

Die erste intelligente Weltmeisterschaft? 

Das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft 2018 hat mehrfach darüber gesprochen, wie IoT-Technologien und intelligente Lösungen in den Stadien und in der weiterreichenden Infrastruktur der Austragungsstädte zur Anwendung kommen könnten, damit die Veranstaltung erfolgreich durchgeführt werden kann und mögliche unerwartete Situationen vermieden werden können.

Oscar Perez-Cordoba Davila, Geschäftsführer der European Stadium & Safety Management Association (ESSMA) in der spanischen La Liga, sprach auf dem IoT-Weltgipfel über bestehende Lösungen, die mittlerweile aktiv von spanischen Fußballvereinen genutzt werden und auch in Russland zur Anwendung kommen sollen.

Er sagte: „Fußballclubs nutzen innovative Lösungen für ein besseres Management der Stadien und Großereignisse. Dabei handelt es sich in erster Linie um wirksame Lösungen für die operative und technische Wartung der Arenen. Drohnen werden aktiv eingesetzt und die Sicherheit hat Priorität. Aus diesem Grund sind spezielle Technologien zu präventiven Zwecken, aber auch für eine effektive Interaktion zwischen den Vereinen, der Liga und den öffentlichen Sicherheitsdiensten notwendig.“

Zu den fünf Bereichen, auf die sich das Organisationskommittee der Weltmeisterschaft 2018 in Russland unter Verwendung von intelligenten Technologien konzentriert hat, um den Fans in diesem Fußball-Sommer maximalen Komfort und maximale Sicherheit gewährleisten zu können, gehören:

„Intelligente“ Sicherheitssysteme – Die Sicherheit der Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Helfer, Sponsoren und Fans ist bei jedem hochrangigen Sportereignis von entscheidender Bedeutung. Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland werden IoT-fähige Systeme eingesetzt, mit denen die maximale Sicherheit gewährleistet und mögliche Bedrohungen identifiziert, analysiert und verhindert werden sollen. Dazu gehören Kameras mit Gesichtserkennung in der Masse, Fingerabdruckerkennungssysteme sowie „intelligente“ Feuerlöschsysteme.

Neue energiesparende Technologien – Bei einer so hohen Besucherzahl in den Städten im ganzen Land ist es wichtig, dass Energieverbrauchsstatistiken mithilfe des IoT gesammelt und angezeigt werden können. Dies ermöglicht bei Bedarf die Nutzung alternativer Energiequellen, um die Ressourcen nicht nur in den Stadien, sondern auch in den Städten zu optimieren. 

Großflächige WLAN-Abdeckung – WLAN wird mittlerweile als selbstverständlich angesehen und steht in den meisten Bars, Cafés, Restaurants sowie an öffentlichen Orten kostenlos zur Verfügung. Für tausende Fans in einem Stadion und gleichzeitig für die Services rund um die Spiele eine verlässliche WLAN-Verbindung bereitzustellen ist jedoch eine sehr komplexe Aufgabe. In den Stadien werden Router und große Mengen an optischen Fasern benötigt, um überall im Stadion guten Empfang sicherzustellen. 

Ortsbestimmungssysteme und mobile Dienstleistungen für Stadien – Langes Anstehen für ein Bier oder eine Bratwurst kann mitunter sehr frustrierend sein. Glücklicherweise bietet das IoT dafür eine Lösung. Anhand einer Reihe von Algorithmen können optimale Durchgangsrouten und Wartezeiten an einem Stand berechnet werden. Außerdem stehen bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten wie z. B. mit Geld aufgeladene Armbänder zur Verfügung, um die Bedienung zu beschleunigen. Zudem gibt es Apps, mit denen Fans Essen und Getränke vorbestellen können, bevor sie sich überhaupt in Stadionnähe befinden.

Einheitliche Mediensysteme im Fußballstadion – Es ist nicht immer einfach, überall im Stadion die gleichen Informationen zur Verfügung zu stellen. Die neuen Stadien in Russland sind jedoch mit einer einzigen technologischen Plattform mit einem gemeinsamen Kontrollzentrum im Medienraum verbunden. So kann eine Vereinheitlichung aller Videodienste sichergestellt werden. Das bedeutet, dass Sie dieselben Informationen erhalten, egal ob Sie gerade auf die große Leinwand schauen, sich in der Wartehalle oder im VIP-Bereich befinden oder die offizielle mobile App auf Ihrem Telefon durchstöbern.

IoT im Fußball… die Zukunft

Die Beziehung zwischen dem Fußball und dem IoT befindet sich gerade erst in einem Anfangsstadium. In naher Zukunft werden sich daraus aber noch viele weitere Vorteile ergeben.

Beispielsweise wird durch die Verbindung von Maschine zu Maschine (M2M) sichergestellt, dass überall auf der Welt Katastrophen in großen Stadien vermieden werden können, da Polizei- und Stadionbetreiber das Verhalten großer Fangruppen genau verfolgen, analysieren und darauf reagieren können, um Überfüllungen oder andere gefährliche Situationen zu verhindern.

Es wäre vermutlich zu weit gegriffen, dass Drohnen den Fans Essen und Getränke an den Platz bringen. Dass sie allerdings außerhalb des Stadions oder der Wartehallen eingesetzt werden, um Vorbestellungen an bestimmte Sammelpunkte zu liefern, ist gar nicht so abwegig.

Doch was ist mit dem Spiel selbst? Während der Videoschiedsrichter den Schiedsrichter mit zusätzlichen Informationen versorgen kann, könnte eine IoT-fähige Lösung der NFL den Schiedsrichtern deutlich schnellere und genauere Ergebnisse liefern. Dies könnte durch den Einsatz von intelligenter Kleidung, Sensoren im Fußball und Empfängern am Spielfeldrand umgesetzt werden, die präziseste Standortdaten liefern. Dies würde nicht nur die Fragen rund um Abseitsentscheidungen klären. Die Liga könnte diese Daten außerdem an die Videospieler verkaufen, damit bestimmte Spielzüge einer Mannschaft auf der Konsole nachgespielt werden können.

Was denken Sie über die Nutzung solcher Technologien im Fußball? Tragen Sie zur Verbesserung Ihres Zuschauererlebnisses bei oder zerstören sie die Traditionen des Sports? Kommentieren Sie diesen Beitrag und lassen Sie uns an Ihrer Meinung teilhaben.

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21 Feb 2019, 13:54

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